Mach et joot - Tausendfüßler

Ein wenig Melancholie macht sich in mir breit. Ein Bauwerk soll abgerissen werden. Es lebt nicht und doch tut es irgendwie weh, Abschied zu nehmen. Mit vielen 1000 anderen Menschen flaniere ich ein letztes Mal über das Brückengebilde inmitten der Düsseldorfer Innenstadt, schwelge in Erinnerungen und gebe mich dem Gefühl von Ende und Neubeginn hin.

Überall sieht man Leute. Die einen, die über die Brücke wandern, ihre Kamera in der Hand (wie ich auch) und an jeder Ecke ein Foto schießen. Die anderen, die oftmals älteren, die ihren Kindern und Enkel ihre Sicht vom "Tausendfüßler" erzählten. Und diejenigen, die mit Hammer und Meissel bewaffnet an beiden Enden der Brücke stehen, um sich ein Stück Geschichte zu sichern. Sogar mit Presslufthammer sind einige angerückt. Ein Mann neben mir scherzte, das die Baufirma morgen nur noch den Rest wegräumen muss, und genau so wirkte es auch fast.

Ein wenig wirkte es wie eine überdimensionale Trauerfeier. Leichenschmaus (Frikadellen & Altbier) und eine Friedhofskapelle (die Musik war etwas gewöhnungsbedürftig) und jede Menge schwarze Luftballons. Es gab zahlreiche "Schwarzgekleidete" (Ob das nun am Wetter lag oder am Event, mag ich nicht zu sagen). Selbst Geschäftemacher fehlten nicht. An jeder Ecke standen Händler mit "Hammer & Meisel - Verleih".



Der Nichtdüsseldorfer ist sicherlich geneigt zu sagen... Was ist das eigentlich.... der Tausendfüssler?? Nun, dazu müssen wir in die Wirtschaftswunderjahre zurück. In den 60iger Jahren wurde die Autohochstraße gebaut, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten. In den 90er Jahren wurde das y-förmige Gebilde sogar in eine Denkmalliste eingetragen. 




Genutzt hat es nichts. Im Rahmen der Umgestaltung der Kö und der Wehrhahnlinie soll ein neues Stadtbild entstehen. An sich ja ganz gut, aber das ganze Kö-Bogen-Zeugs wirkt meiner Meinung nach noch mehr "Schicki-Micki". Der Tausendfüssler hat seinen Namen vom Volk und so wirkte heute auch der Abschied. Nicht die oberen 10000 gingen hierauf flanieren, sondern der Düsseldorfer von "Nebenan".

Auch wenn das Brückengebilde nicht wirklich schön war (darunter war es dunkel und es wirkte auch in die Jahre gekommen), es wird etwas fehlen, wenn Mitte dieses Jahres alles verschwunden sein wird. Was bleibt, ist die Erinnerung.. An über 50 Jahre Stadtgeschichte...

Auch als Nicht-Düsseldorfer sag ich... Mach et joot - Tausendfüßler. Ein Stück von dir hab ich mir mitgenommen und werd gut drauf aufpassen.





Noch ein paar Impressionen findet ihr bei Sapri Design

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